Forum

Organisation

Alexandra Goloborodko, Aleksandra Yurieva-Civjane / Projekt Butterbrot

Alexander Formozov / iDecembrists e.V.

Förderung

Robert Bosch Stiftung, mit Unterstützung der Heinrich Boell Stiftung

Kooperationspartner

Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Institut für Kunst im Kontext, UdK Berlin

Zentrales Thema des Forums „Russland versus Russland. Kulturkonflikte“ sind die Wechselwirkungen der zeitgenössischen Kunst in Russland mit urbanen, sozialen und politischen Kontexten und die dabei entstehenden Widersprüche. In einer Reihe von öffentlichen Diskussionen und einer multimedialen Exposition wird die dichotomische Gegenüberstellung von „konservativen“ und „progressiven“ Teilen der russischen Gesellschaft und Kultur kritisch hinterfragt, um ein differenziertes Bild der vielfältigen aktuellen Interaktionen zwischen öffentlicher und kritischer Kunst, Politik und Gesellschaft zu entwerfen.

Das Forum ist in erster Linie der Wechselwirkung von politischer, aktivistischer Kunst und urbanen Interventionen mit dem öffentlichen Raum und dem sozial-politischen Kontext im heutigen Russland gewidmet und vor allem der Rolle ethischer, ästhetischer und politischer Kontroversen. Unter dem sozial-politischen Kontext verstehen wir Produktionsbedingungen von kulturellen Erzeugnissen und Bedeutungen, vorgegeben durch den Zustand der Gesellschaft, ihre kulturellen Werte, institutionelle, politische und ökonomische Eigenschaften.

Hauptziel des Projekts ist es, zur Diskussion über die Entwicklung einer unabhängigen kritischen Kultur in Russland beizutragen und eine Plattform für den Dialog über ihre aktuellen Probleme und künftige Strategien zu entwickeln. Wir möchten verstehen und diskutieren, welche kritischen Kunstformen in den letzten Jahren Verbreitung fanden, welche Rolle dabei die sozialen Prozesse in Russland spielten, und was sich während dessen in der Interaktion des Künstlers mit der Gesellschaft und dem Staat verändert hat. Auch die Frage nach der Rolle und Funktion einer kritischen künstlerischen Aussage für die Gesellschaft, ihre Verortung und Bedeutung in den aktuellen sozial-politischen Prozessen in Russland wird im Forum behandelt.

Teilnehmer

Um ein möglichst breites und spannendes Spektrum an Positionen im Rahmen dieser Problematik zu repräsentieren, werden etwa 20 Referenten aus Russland, Deutschland und anderen Ländern am Forum teilnehmen. Damit werden nicht nur einige der Hauptakteure von öffentlichen Kulturprozessen im heutigen Russland eingeladen, sondern auch europäische Experten, die diese Prozesse von außen betrachten und analysieren können. Zur Vorbereitung eines fruchtbaren Dialogs „Russland versus Russland“ laden wir alle Teilnehmer bereits im Vorfeld zum Gespräch über Diskussionsthemen und -Fragen ein und rufen sie auf, eigene Vorschläge zu machen.

Fragen

  • Ist es berechtigt, aktuelle Widersprüche rund um kritische künstlerische Aussagen, als Kulturkonflikte zu betrachten? Wo liegen ihre Ursachen und wie sind solche Entwicklungen vor dem Hintergrund der europäischen Erfahrung einzuschätzen?
  • Wie beeinflusst die heutige gesellschaftliche und politische Realität in Russland die aktuelle künstlerische Produktion?
  • Ist die künstlerische Geste heute noch in der Lage, Gesellschaft zu beeinflussen? Kann Kunst unter den Bedingungen von Manipulation und Polarisierung der Öffentlichkeit einen Diskussions- und Dialograum bereitstellen?
  • Welche Rolle spielt der moderne Künstler / Kurator / Experte? Welche Möglichkeiten stehen dem Künstler zur Verfügung, um auf die Interpretation und Wahrnehmung seiner Arbeiten Einfluss zu nehmen und „falsche“ Lesarten zu vermeiden? Wie kann dabei die Verweigerung einer Aussage gewertet werden?
  • Wie ändert sich heute die Rolle privater und staatlicher Institutionen, persönlicher Beziehungen im kulturellen Kontext, „who is who“ in der aktuellen politischen Lage?
  • Wie sehen die Aussichten für die künftige Kunstproduktion in Russland aus? Welche Veränderungen sind in den Methoden der künstlerischen Aussage möglich und notwendig? Sind in Bezug auf die Methoden des Dialogs mit der Gesellschaft qualitative Veränderungen zu erwarten? Wie effektiv sind kollektive Praktiken von künstlerischen und aktivistischen Gruppen?
  • Welche Formen und Lesarten moderner Kunst werden durch offizielle Strukturen unterstützt, wo verlaufen die Grenzen des Erlaubten und wie werden sie festgelegt?
  • Mit Hilfe welcher Strategien ist es möglich die Einstellung des Publikums zu moderner kritischer Kunst in Russland zu beinflussen.

Format

  • Plenum/Symposion der Projektteilnehmer und geladener Experten
  • Diskussionsreihe zur Wechselwirkung von Politischer und Protestkunst, Public Art und Street Art mit urbanen und sozial-politischen Kontexten in Russland
  • multimediale Exposition visueller Dokumentationen der angesprochenen künstlerischen Aktionen und kuratorischen Projekte
  • audiovisuelle Dokumentation des Projekts mit dem Ziel der Veröffentlichung